Frühstunden in der Schule: Schlafmangel verursacht grosse Probleme

„Alarmierende Schlafdefizite“

Kinder und Jugendliche brauchen mit 9-10 Stunden viel mehr Schlaf als Erwachsene und sie sind nachts erst bis zu drei Stunden später als sie einschlafbereit. Damit ist das frühe Aufstehen für den Besuch der Frühstunde um 7.30 Uhr ein grosses Problem für viele Jugendliche. Sie kommen nicht ausgeschlafen in die Schule und sind deswegen kaum richtig aufnahmebereit.

Der Jugendgesundheitsbericht 2016 der Stadt Bern vom 3. November 2016 spricht über alarmierende Schlafdefizite:

„Nur ¼ der Jugendlichen in der Stadt Bern schlafen durchschnittlich neun Stunden pro Nacht und damit klar genügend. ¼ schlafen weniger als 8 Stunden pro Nacht und leiden häufiger an Müdigkeit, Kopfschmerzen und einem schlechten psychischen Befinden. Darüber hinaus ist mit weiteren Folgen des Schlafdefizits zu rechnen (mehr Unfälle und Übergewicht, schlechtere Schulleistungen etc.).“

Der biologische Hintergrund: 4 Stunden zu wenig Schlaf mit Frühstunden

Mit der Herstellung der im Körper für den Schlaf des Menschen nötigen Menge Serotonin, eines Hormons, wird 1-2 Stunden von dem idealen Einschlafzeitpunkt begonnen. Grössere Kinder schlafen rechtzeitiger am Abend ein, als solche, die in die Pubertät eintreten. Bei Jugendlichen beginnt die Produktion des „Schlafhormons“ Serotonin erst gegen 23 Uhr. Damit liegt ihr idealer Einschlafzeitpunkt frühestens erst bei 0.30 Uhr morgens. Das Serotonin von Erwachsenen wird ab 21.30 Uhr gebildet, der Einschlafzeitpunkt liegt daher bei 23 Uhr. Erwachsene, die mit 7-8 Stunden Schlaf auskommen, wachen so für sie ideal zwischen 6 und 7 Uhr auf und können den Tag beginnen. Kinder und Jugendliche brauchen mit 9-10 Stunden mehr Schlaf als Erwachsene, ihr idealer Aufwachzeitpunkt ist damit 10 Uhr. Damit fehlen Jugendlichen, die um 6 Uhr aufstehen müssen, damit sie um 7.30 Uhr in der Schule sitzen, tagtäglich bis zu 4 Stunden Schlaf. Und tatsächlich, keine Altersgruppe weist einen grösseren chronischen Schlafmangen aus als sie.

Die Folgen von zu wenig Schlaf.

Zu was der Schlafmangel führt, haben Studien nachgewiesen: verspätete Ankunft in der Schule, Schwänzerei, schlechtere Noten, ein höheres Depressionsrisiko, Launenhaftigkeit, Fettleibigkeit und eine Zunahme der Verkehrsunfälle.

Die Folgen von längerem Schlaf: 20 Minuten mehr machen schon viel aus.

Schon ein 20 Minuten späterer Schulbeginn führt zu einem deutlich spürbaren Anstieg der Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit. Von den 20 Minuten bleiben ungefähr 18 als wirklich längere Schlafenszeit übrig. Andere Quellen nennen 26 von 30 Minuten.

Länger schlafen führt zu grösserer Leistungsfähigkeit, höherer Aufmerksamkeit, offenerem Sozialverhalten, besserer Gefühlskontrolle und besserem Gedächtnis.

„Alles ist besser als 8 Uhr. 8.30 Uhr ist ein Anfang, 10 Uhr wäre noch viel besser“

Dieses Zitat von Russel Foster (Oxford University), zeigt, wohin die Entwicklung gemäss der Forschung gehen sollte. In Bern ist es für die Oberstufe fast die Regel, 4 oder gar 5 Tage die Schule um 7.30 Uhr zu beginnen. Wenn es gelänge, die Frühstunden abzuschaffen und die Schule in Bern für alle mit den offiziellen Blockzeiten um 8.20 Uhr beginnt, haben wir einiges für den Lernerfolg der Jugendlichen erreicht.

Weiterführende Links

http://www.familienleben.ch/gesundheit/baby-kind/schlafmangel-warum-jugendliche-zu-nachteulen-werden-4835

 

Anhang: