Fahrverbot Gotthelfstrasse: Nur Zubringer

Gotthelfstrasse für Durchgangsverkehr gesperrt
Zubringerdienst gestattet

Wir haben es (fast) geschafft: Die Gotthelfstrasse ist mit einem Fahrverbot für schwere  motorisierte Fahrzeuge belegt worden. Befahren darf die Strasse nur noch durch Zubringer und nur noch mit höchstens 20 km/h. Endlich ist dieser gefährliche Übergang zur anderen Strassenseite genau vor dem Schulhaus nicht mehr so gefährlich.
Ist eine Strasse mit einem Fahrverbot mit Vermerk «Zubringerdienst gestattet» belegt, darf sie nur befahren werden, wenn ein direkter Zusammenhang mit einem Grundstück oder einem Anwohner an dieser Strasse besteht. Durchfahrten sind in keinem Fall erlaubt.

Was heisst „Zubringerdienst gestattet“?

Es ist ganz einfach: Wer in diesem Abschnitt weder wohnt, noch dort jemanden besucht, noch dort arbeitet und dort nichts anliefert, der darf diesen Teil der Gotthelfstrasse nicht befahren. Es gibt dazu ein neueres Bundesgerichtsurteil, das den Ausdruck «Zubringerdienst gestattet» äusserst eng auslegt (Urteil 6B_66/2014 vom 4.11.2014, siehe auch https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/zubringerdienst-gestattet-wird-restriktiv-ausgelegt-ld.366557 ).

Man darf also nicht durch diese Strasse fahren, um am anderen Ende abzubiegen und in der Viktoriastrasse zur Arbeit zu gelangen und auch nicht, wenn man sein Kind am Morgen in die Tagesschule auf der anderen Seite an der Spitalackerstrasse bringen will.

Das sagt die Signalisatonsverordnung: https://fedlex.data.admin.ch/filestore/fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1979/1961_1961_1961/20060301/de/pdf-a/fedlex-data-admin-ch-eli-cc-1979-1961_1961_1961-20060301-de-pdf-a.pdf
 

Nur «Zubringerdienst gestattet», Durchfahren nicht. Wird es befolgt? Leider nicht so wie vorgestellt!

Doch viele scheint das nicht weiter zu interessieren. Beobachtungen am Rand der Strasse kurz vor und etwas nach Schulbeginn lassen einen sprachlos und kopfschüttelnd zurück.

  • Neun von zehn Fahrzeugen fahren durch die Strasse und sind nicht Zubringer.
  • Von diesen fahren deutlich mehr als die Hälfte schneller als 20 km/h, manche sogar doppelt so schnell.
  • In den ersten vier Autos haben 3 Fahrer/innen bei der Durchfahrt durch die markierte Spielzone sich mit ihrem Mobiltelefon beschäftigt und nur kurz auf die Strasse geschaut.
  • 4 Fahrer/innen hielten an und fragten nach, was die Kontrolle solle. Einer hatte schlicht die Signalisation nicht bemerkt, sich entschuldigt und versprochen, nicht mehr durch die Gotthelfstrasse zu fahren. Bravo!
  • Drei bestanden darauf, alles richtig gemacht zu haben, denn man ist als älterer Herr in feinem Anzug und mit grossem Auftreten der Meinung, es erlaube die Ausnahme vom Fahrverbot «Zubringerdienst gestattet», dass man via Gotthelfstrasse zur Optingenstrasse (!) gelangt und möchte diesem „Recht“ sogar mit körperlichem Einsatz, mit Ziel „Gib mir dein Telefon!“, Nachdruck verschaffen. Oder der andere, der zu seinem Betrieb an der Viktoriastrasse fahren will und sich fürchterlich darüber aufregte, dass da einer steht und das kontrolliert. Oder, ganz dreist, die Frau, die behauptete, die Polizei hätte ihr gesagt, man dürfe durch die Gotthelfstrasse fahren, um an der Spitalackerstrasse sein Kind in die Tagesschule zu bringen. Und filmen dürfe man auch nicht und forderte die Löschung ultimativ, mit der Drohung, sonst die Polizei zu rufen, ein. Das tat sie dann auch. Die Polizei konnte natürlich nichts Unrechtes am Filmen im öffentlichen Raum erkennen. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Frau auf dieser Fahrt gar kein Kind im Auto hatte? Einsicht? Rücksicht? Verständnis? Nicht erkennbar.

Was könnte man verbessern oder tun?

  • Ein grösseres und besseres Schild würde schon einmal alle die fern halten, die das kleine ganz am Eingang rechts der Strasse übersehen.
  • Das Verkehrszeichen gross am Anfang der Strasse auf den Boden malen.
  • Kontrolle durch die Polizei und Ausstellen von Bussen.
  • Flyer zur Information von Autofahrer/inne/n und nahe Betriebe ausserhalb der Gotthelfstrasse verteilen.
  • Die Schwellen wieder einbauen. Aber Schwellen für Fahrzeuge, die dort eigentlich gar nicht fahren dürfen?
  • Die Gotthelfstrasse für den Durchgangsverkehr doch komplett sperren, wie das der Wunsch des Elternrates und der Schule ist.

Die Projektverantwortlichen der Stadt Bern sind schon infomiert und haben bereits zurück gemeldet, dass sie mit der Situation so auch nicht zufrieden sind. Es ist leider immer schwer, wenn sich Leute nicht ans Gesetz halten. Schlussendlich, wenn sich die Situation nicht rasch bessert, muss erneut über eine Sperrung der Strasse für den Durchgangsverkehr nachgedacht werden.